Kollektives Bewusstsein – 3 Probleme im Crowdsourcing und wie man sie lösen kann

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Crowdsourcing

Noch vor ein paar Jahren wusste niemand was von Wikipedia. Heute gehört die freie Enzyklopädie laut dem Webdienst Alexa.com zu den zehn am häufigsten besuchten Webseiten der Welt. Warum ist dieses Projekt so erfolgreich? Die Antwort liegt im Konzept hinter Wikipedia: Das sogenannte Crowdsourcing sorgt dafür, dass wir heute Zugang zu 1.750.850 Artikeln in deutscher Sprache haben. Auch Unternehmen greifen mehr und mehr zu dieser Form von Outsourcing zurück.

Wäre Crowdsourcing auch etwas für Startups? Jein! Wenn man genauer hinschaut, erkennt man einige Schwachstellen einer solchen Business-Strategie: Niedrige Motivation der User, Fluktuation und Probleme mit der Qualität der Arbeit – das sind die Hauptschwierigkeiten, mit denen jedes Crowdsourcing-Projekt zu kämpfen hat. Bekommt man diese Dinge in den Griff, bietet Crowdsourcing auch für Startups viele interessante Möglichkeiten. Was meine Recherche zu diesen Fragen genau ergab, könnt ihr in diesem ausführlichen Post nachlesen.

Crowdsourcing soll Wunder bewirken, wenn es darum geht, größere Daten zu generieren und zu verarbeiten. Auf den ersten Blick scheint diese Methode sehr attraktiv zu sein. Man kann in diesem Fall oft auf die billigen Arbeitskräfte, zum Beispiel auf Freelancer und Freiwillige zurückgreifen, die zahlreiche Aufgaben für wenig Gehalt oder sogar umsonst erledigen (je nach Projekt).

Für ein umfangreiches Projekt können so die nötige Kapazitäten schnell und beliebig aufgebaut werden. Es scheint als wäre das die Lösung, um Projekte jeglicher Größe, für deren Realisierung man normalerweise Jahre benötigen würde, in Rekordzeit abzuschließen. Nehmen wir wieder Wikipedia, das Paradebeispiel für Crowdsourcing.

Es ist kaum vorstellbar, wie viel Zeit und Ressourcen man als Unternehmen bräuchte, um so eine riesige Redaktionsplattform zu pflegen und zu erweitern, die in den letzten 13 Jahren mehr als 30 Millionen ausführliche Fach-Artikel in 286 Sprachen veröffentlicht hat. Dank den 250 tausend Freiwilligen bringt Wikipedia auch heute noch mehr als hundert enzyklopädische Fach-Artikel am Tag heraus.

Was ist Crowdsourcing?

Der Begriff Crowdsourcing setzt sich aus den Beiden Wörtern Crowd, also (Menschen)-Menge und Outsourcing, was soviel wie auslagern heißt, zusammen. Es geht also darum größere Menschen-Gruppen, hauptsächlich im Netz, darum zu bitten, Aufgaben zu erledigen.

Dabei wurde der Begriff Crowdsourcing schon 2009 benutzt und zwar vom Journalist Jeff Howe. Schaut man sich das Ganze genauer an, stellt man fest, dass hier oft gesellschaftliche oder gemeinnützige Themen im Vordergrund stehen, dazu gleich mehr. Ich sehe aber einige Schwierigkeiten, auf die man beim Crowdsourcing stößt, und zwar:

1. Das Problem der Motivation

Wenn Crowdsourcing also so effektiv ist, warum nutzen dann nicht alle Projekte diese Methode? In den letzten 10 Jahren, in denen mit Crowdsourcing experimentiert wurde, wurden auch die Schwächen dieser Arbeitsweise sichtbar. In erster Linie ist es das klassische Problem mit der Motivation, das jedes Personal betrifft (also auch Startups): Die Motivation der User ist das Triebwerk aller Crowdsourcing-Projekte. Was motiviert also Menschen-Gruppen und warum sind Crowdsourcing-Mitarbeiter oft demotiviert?

Die fehlende Motivation hängt meistens mit einem Effekt zusammen, den Sozial-Psychologen bei Gruppen oft beobachten: Dem sozialen Faulenzen (Social Loafing). Wenn also eine Menschen-Gruppe auf ein gemeinsames Ziel hin arbeitet und die Leistung jedes einzelnen Mitglieds unbekannt bleibt, dann geht die Motivation des Einzelnen schnell in den Keller. Genau dazu kann es beim Crowdsourcing schnell kommen, denn hier bleiben die User meist anonym. Wie kann man dem sozialen Effekt entgegenwirken? In dem man zum Beispiel den inneren Antrieb jedes einzelnen Users nutzt (intrinsische Motivation):

Als 2012 auf den Philippinen der Taifun Bopha drüberfegte und die Küste verwüstet hatte, haben sich Freiwillige des Projektes CrowdFlower bemüht, die aktuelle Situation vor Ort zu dokumentieren und zu aktualisieren, wofür sie 20 000 Tweets mit Fotos, Videos und GPS-Daten analysieren und aufbereiten mussten. In dieser Situation wollten Sie den Opfern der Katastrophe dringend helfen und genau das hat sie angetrieben, diese Herkules-Aufgabe innerhalb von nur 20 Stunden zu meistern. Wir Menschen sind soziale Wesen und genau diese Besonderheit kommt hier zum Tragen. Die Tatsache, das jemand gerade leidet und unsere Hilfe braucht reicht aus, um uns zu motivieren. Outsourcing funktioniert also dann am besten, wenn es um Projekte geht, die auf das Allgemeinwohl abzielen.

2. Die Fluktuation im Crowdsourcing

Eine andere Schwierigkeit mit dem Ansatz Crowdsourcing betrifft die Fluktuation. Der Löwenanteil der Crowdsourcing-Projekte kämpft damit vor allem am Start von Projekten: Die Aktivität und die Teilnahme sinken rapide, die Lustlosigkeit gewinnt Oberhand und die Freiwilligen verlassen das Projekt, weil Sie als Spezialisten zeitweise nichts oder nur wenig zu tun haben. Stattdessen widmen sie sich anderen Ideen (hier fällt es leichter etwas hinzuschmeißen und etwas Neues zu beginnen).

  Die geheime Formel für erfolgreiche Startup-Ideen

Wenn man dann aber ein größeres Projekt fortsetzen muss, mangelt es am Ende an Leuten, die sich auskennen und sich der Sache annehmen. Und es geht wieder los mit der Suche nach kompetenten Freiwilligen, die überprüft und eingeschult werden müssen.

Natürlich kann das auch Nicht-Croudsourcing-Projekten passieren, nur ist es gerade bei großen Crowdsourcing-Startups ein „chronisches“ Leiden und auch die Konsequenzen sind dann auch entsprechend schlimmer. Hier kann es nur helfen auf die Mitarbeiter mit Kernaufgaben besonders Acht zu geben und sich schon im Vorfeld Strategien zu überlegen, wie man an neue User ran kommt und sie schnell in das Projekt integriert.

Andererseits kann man die Crowdsourcing-Mitarbeiter wieder zusammenrufen, wenn die Aufgabe eine soziale Bedeutung erlangt (wie anfangs erklärt). Nehmen wir als Beispiel das Projekt Person-Finder von Google, das 2011 während des Erdbebens in Japan gestartet wurde (ein ähnliches Crowdsourcing-Projekt wurde bereits ein Jahr zuvor während des Erdbebens in Haiti durchgeführt).

Während dieser Katastrophe in Japan benötigte das Google-Team nur zwei Stunden für den Start folgender Aktion: Menschen wurden dazu aufgerufen, Fotos von Listen der Vermissten und Opfern zu machen, die anschließend analysiert und auf der Plattform veröffentlicht wurden.

Als die Mitarbeiter die Bearbeitung der Fotos nicht mehr bewältigen konnten, haben sich 5 000 Freiwillige bereit erklärt, das Google-Team zu unterstützen. Mit deren Hilfe wurden mehr als 10 000 Fotos analysiert und mehr als 140 000 Namen mit in die Datenbank aufgenommen.

3. Die Qualität der Arbeit

Eine der wichtigsten Aufgaben im Crowdsourcing ist die Gewährleistung der Qualität des Projektes. Greift man für sein Projekt auf Festangestellte zurück, hat man die Möglichkeit sich genau zu vergewissern, über welche Qualifikationen sie verfügen. Im Falle von Crowdsourcing ist das nicht so einfach.

Die Lösung:  das Training, das langfristig für mehr Qualität sorgt. Genaue Anleitungen und Standards erhöhen hier die Wahrscheinlichkeit für gute Endergebnisse. Wer bessere Ergebnisse im Crowdsourcing erzielen möchte, sollte über eine entsprechende Plattform nachdenken.

Die Existenz einer bequemen und praktischen Plattform trägt nämlich ebenfalls dazu bei, dass die Qualität von Crowdsourcing-Projekten steigt. Wenn es für die Freiwilligen interessant und einfach ist mit so einer Software zu arbeiten, werden sie auch eher hochwertige Ergebnisse präsentieren können. Andernfalls wird die Motivation sinken, wenn die sogenannten hygienischen Faktoren, aus der Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg die Arbeit erschweren (auch hier leistet psychologische Forschung gute Dienste).

Das Rezept gegen die Crowdsourcing-Risiken: Makroziele splitten

Wie man effektiver in der Selbstständigkeit wird, hatte ich hier schon mal beschrieben. Vieles davon kommt auch hier zum Einsatz. Ein Crowdsourcing-Projekt ist nichts anderes als ein Organismus, in dem die Arbeitsteilung und Aufgabenteilung darüber entscheiden, ob das Business Früchte trägt oder untergeht.

Dazu werden das Ziel und die Aufgaben des Projektes intelligent gesplittet, so dass jeder Mitarbeiter genau weiß, was, wie und wann er tun muss. So greifen am Ende die einzelnen Mikro-Aufgaben wie Zahnräder ineinander und sorgen dafür, dass sich das Projekt schneller und effektiver auf das Ziel zubewegt.

Zu den Pionieren zählt hier vor allem Amazon und sein Dienst „Mechanical Turk“. Auf dieser Plattform übernehmen User verschiedene kleinere Aufgaben und lösen sie online: Dazu gehört zum Beispiel das Überprüfen und Filtern von Datensätzen. Dabei ist jeder Nutzer für einen festen Datensatz verantwortlich. Die Ergebnisse gehen mittels einer Programmierschnittstelle (API) beim Service ein und werden danach weiter verarbeitet. Auch das oben erwähnte Crowdsourcing-Projekt CrowdFlower hat bereits auf Mechnical Turk als Instrument zurückgegriffen. Auch die Überwachung kann dann mittels Crowdsoursing stattfinden.

Zusammenfassung:

Vor allem bei großen Projekten im Netz bietet sich Crowdfunding als Strategie an (oft ist es sogar die einzige Möglichkeit). Viele User mit kleinen Aufgaben sorgen dafür, dass etwas Großes entsteht (Steter Tropfen höhlt den Stein!). Als Crowdfunding-Projekt geht man aber auch Risiken ein.

Vor allem die Motivation der User, Ihre „Ungebundenheit“ und die mangelnde Qualität (sie alle hängen offensichtlich miteinander zusammen) machen oft Probleme. Als Gegenmittel können Ziele zum Einen „sozialer“ formuliert werden und zum Anderen die Aufgaben intelligent gesplittet und von Moderatoren überwacht werden.

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