Eigene Firma gründen ohne Investitionen – geht das?

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Startup-Launch ohne Startkapital

Startup-Launch ohne StartkapitalMal wieder hat eine dieser verführerischen E-Mails meinen Spam-Ordner verfehlt … Der Inhalt lässt sich wie folgt zusammenfassen: „Werde erfolgreich mit eigenem Unternehmen! Dafür brauchst du kein Eigenkapital und keine besonderen Fähigkeiten, hier erfährst du, wie du ganz einfach mehrere hundert Euro am Tag verdienen kannst…“

Der Link führt dann auf die entsprechende Landing-Page mit kostenpflichtigen, nicht gerade seriösen Ebooks und DVD-Kursen. Es gibt immer noch genug Menschen, die auf so etwas reinfallen, also wollte ich im heutigen Beitrag meinen Senf dazu geben und erläutern warum es schlicht und einfach nicht möglich ist, ein Unternehmen ohne Investitionen und Fachkenntnisse zu gründen.

Das erste und wichtigste, was man sehr einfach ableiten kann und sich merken sollte ist: Es gibt kein Business ohne Investitionen, Punkt! Den gab es nie und wird es auch nie geben. Es ist zwar möglich ein Unternehmen mit geringen Investitionen oder bereits vorhandenen Mitteln zu gründen, aber niemand hat bis jetzt ein Startup aus dem Nichts gelauncht, denn:

Selbst Bill Gates, Steve Jobs, Elon Musk oder Mark Zuckerberg hatten Ihre Garagen, elektronische Bauelemente, Verpackung, bestimmte Soft- und Hardware, Menschen mit Wissen und Talent um sich herum und viel, viel Zeit, in der sie nicht von morgens bis abends ihre Brötchen verdienen mussten. Wer demnach behauptet, dass ein erfolgreiches Unternehmen mit Null Investitionen entstehen kann und sich dabei auf die oberen Top-Startup-Gründer bezieht, erzählt im besten Fall nicht die ganze Wahrheit.

Business mit geringen anfänglichen Investitionen

Richtig, es ist durchaus möglich ein Unternehmen mit minimalem Startkapital zu gründen und genau so fangen auch die meisten Gründer an. Es geht bereits bei der Gewerbe-Anmeldung, der eigenen Online-Präsenz und den Visitenkarten los – das alles ist unerlässlich und kostet Geld. Hinzu kommt noch, dass in der Regel die ersten Aufträge auf sich warten lassen, genau diese Zeit gilt es mit dem Startkapital zu überbrücken.

Und noch etwas: auch wenn man anfangs über bestimmte Mittel verfügt, kann es passieren, dass man dieses Geld zu schnell ausgibt und sein Unternehmen aufgeben muss. In den meisten Fällen werden „falsche“ Prioritäten gesetzt und das knappe Geld in imposante Büroausstattung, teure Workshops oder professionelle Tools investiert.

Wer hier bedachter vorgeht und von Anfang an aktiv Ideen generieren und vorausschauend handeln kann, hält länger durch! Schließlich bist du als Gründer mit deinem Engagement und Fleiß deine wichtigste Investition in deine Firma.

Wofür braucht man eigentlich Startkapital?

In der Regel braucht man das Geld primär für die Miete (irgendwo muss man ja arbeiten, das kann eine Garage oder ein Homeoffice sein), die Grundausstattung (Werkzeug, Möbel und anderes Equipment) und für die Verpflegung. Hinzu kommen noch die Kosten für die Anmeldung der eigenen Selbstständigkeit. Ist man viel unterwegs, müssen auch der Sprit bzw. die Fahrkarten bezahlt werden.

Wer ein Business ohne signifikante Investitionen plant, sollte eine Bestandsaufnahme machen, d.h. sich genau anschauen, was man in den eigenen vier Wänden (oder in denen der Verwandten und Freunde) für sein Business (mit) benutzen kann. Genau diese Dinge legen schlussendlich fest, was man als Unternehmer produzieren und liefern kann.

Vorteile von Unternehmen mit wenig Startkapital

Auch wenn man mit wenig Startkapital stark eingeschränkt ist, hat dieser Umstand auch mehrere Vorteile. Zum einen besteht keine Gefahr, dass man Geld verlieren kann, das Einzige was im schlimmsten Fall passieren kann ist, dass man seine Zeit vergeudet und keinen Output bekommt (was nicht unbedingt gut ist, allerdings üben Schulden zusätzlichen Druck aus, was auf lange Sicht z.B. zu Demotivation und Depressionen führen kann).

Andererseits hat man als Einzelunternehmer mit kaum Startkapital vor allem am Anfang mit relativ wenig Bürokratie zu tun. Versicherungen, Bescheinigungen, Kredit-Unterlagen und damit verbundener Aufwand ist minimal. Das spart wiederum Zeit, die in das Unternehmen investiert werden kann und sollte.

Nachteile, wenn man kaum Startkapital hat

Natürlich gibt es Märkte, die ohne größere Investitionen nicht erschließbar sind. Zu den Mitspielern zählen hier in erster Linie Unternehmen, die Produkte herstellen und verkaufen. Wer seine Nische im Dienstleistungsbereich gefunden hat, hat es deutlich einfacher. Außerdem schenken mittlere und große Unternehmen diesen Nischen oft kaum Beachtung, oder haben stolze Preise für ähnliche Dienstleistungen, weshalb Selbstständige hier viele Chancen haben, Fuß zu fassen.

Werben mit wenig Startkapital

Werbung kostet Geld und gute Werbung kostet viel Geld. Geld, das man oft nicht hat. Aber auch als Selbstständiger mit kaum Startkapital kann man es schaffen, sich Gehör zu verschaffen, dazu braucht man unter anderem:

  • Eigene Website und/oder Social Media Accounts, die man gut vernetzt
  • Anzeigen im Netz oder auf themenrelevanten Blogs/Websites
  • Mundpropaganda
  • Offline-Netzwerke

Startkapital sinnvoll ausgeben

Wir haben gesehen, dass es unmöglich ist, ein Unternehmen ganz ohne Startkapital zu gründen, aber wie und wo bekommt man Geld und was noch fast wichtiger ist, wie gibt man es „richtig“ aus? Man wird Opfer bringen müssen, das ist klar. Das wichtigste ist, sich genau zu überlegen, wie viel Geld man für die primären Dinge des Lebens zur Verfügung hat (Miete, Verpflegung etc.) und zu schauen, wo man Geld sparen und sich eventuell etwas dazu verdienen kann.

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Bares Geld ist das Blut des Unternehmens, dieses Geld schreibt vor, wie flexibel man ist bzw. sein darf. Der Geldfluss ist damit das, was darüber entscheidet, ob eine Firma floriert oder bald untergeht. Es ist damit essentiell zu bestimmen und permanent zu beobachten, wohin die Mittel fließen und wie schnell sie es tun. Kontrolle ist alles (jede Woche und jeden Monat)!

Die wichtigste Regel für ein erfolgreiches Unternehmen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Geld nur für die Dinge auszugeben, die auch Geld bringen. Zumindest solange man kaum Mittel hat. Im Business gibt es schließlich nur zwei Arten von Geld: die Einnahmen und die Ausgaben. Diese Logik legt auch nahe, dass alles, was keine Einnahmen generiert, zu den Ausgaben zählt.

Die Firmen-Ausgaben gründlich kontrollieren

Damit das eigene Unternehmen eine reale Chance hat zu überleben, müssen die Ausgaben stark eingeschränkt werden. Selbst große Firmen und Konzerne, die Milliarden umsetzen, achten penibel darauf, in welche Projekte und Produkte sie Geld investieren und wo sie weniger Ausgaben produzieren können. Ihr Ziel dabei: die Ausgaben maximal zu reduzieren ohne die Qualität negativ zu beeinflussen.

Es gibt Menschen, die ein erfolgreiches Business haben und die man mittags in einem Imbiss trifft, obwohl sie genug Geld zur Verfügung haben, um ein Restaurant aufzusuchen. Nein, es geht nicht um das sparen, solchen Menschen sind oft bereit, soziale Projekte zu unterstützen oder andere Menschen einzustellen. Es geht um das sinnvolle Investieren von Ressourcen.

Verkaufen, verkaufen und nochmal verkaufen

Mit „Verkaufen“ ist hier nicht unbedingt das wörtliche Verkaufen als Prozess gemeint. Vielmehr sollte der Schwerpunkt jeder unternehmerischen Tätigkeit darauf basieren, Produkte und Dienstleistungen anzubieten und damit Einnahmen zu generieren. Ob sich diese Einnahmen direkt aus dem Angebot oder indirekt aus beispielsweise Werbeeinnahmen zusammensetzen, bleibt offen.

Dennoch steht das Verkaufen im Mittelpunkt und jeder, der ein eigenes Unternehmen gründet, muss sich, seine Ideen und seine (oder fremde) Produkte verkaufen können.

Erst der Kunde, dann das Geld

Was ist das Ziel eines Unternehmens? Die meisten Menschen nehmen an, dass es primär darum geht, Einnahmen zu generieren. Das Wichtigste ist jedoch die Kunden-Akquise bzw. -Bindung. Warum ist das so? Weil zufriedene Kunden langfristig für den größeren Teil der Einnahmen sorgen werden. Zum einen kommen solche Kunden wieder, zum anderen generieren Empfehlungen weitere Kunden. Diese Faktoren sorgen dann auch für mehr Einnahmen. Wer sich also mit den aktuellen Einnahmen über Wasser halten kann, sollte all seine Kraft in die Kundenbindung investieren.

Die Marktsituation studieren ist das A und O

Wenn man ein Unternehmen gründen und damit Erfolg haben möchte, sollte man seine ganze Energie und Zeit auch in die Analyse der aktuellen Marktsituation investieren. Das Produkt muss die Bedürfnisse des Kunden befriedigen, auch wenn sich diese im Laufe der Zeit ändern sollten. Alles ist in Bewegung und was heute noch gut ist, ist morgen vielleicht schon out. Genau das gilt es zu vermeiden. Was gefällt den Kunden also am aktuellen Produkt und was wird morgen noch interessant sein?

Man sollte demnach heute schon an der Produkt-Version von morgen arbeiten. Wird man es morgen günstiger anbieten können? Wird man die Qualität verbessern können? Wie lässt sich das eigene Produkt weiter optimieren? Antworten auf diese Fragen geben die Richtung für erfolgreiche Unternehmen vor. Wie man sein Produkt weiter verbessern kann, habe ich bereits ausführlich beschrieben.

Was kostet das? Die Bedeutung der Preispolitik

Früher oder später wird sich jeder Unternehmer die Frage stellen, was die eigenen Produkte kosten sollen. In diesem Fall orientiert man sich an der Konkurrenz oder übernimmt ihre Preise. Das ist nicht immer sinnvoll. Die Preise sollten auf jeden Fall mit denen vergleichbarer Produkte konkurrieren können. Dabei ist billiger nicht immer besser. Je nach Zielgruppe können niedrige Preise falsch interpretiert werden.

Außerdem müssen die Preise bzw. die Einnahmen am Ende ausreichen, um die Ausgabe zu decken und hier hat jedes Unternehmen seine eigenen Zahlen. Wer sich hier blind auf seine Konkurrenz verlässt, wird es schwer haben, eine erfolgreiche Firme aufzubauen.

Fazit:

Punkt 1: Es ist nicht möglich ein Business komplett ohne Investitionen aufzubauen.

Punkt 2: Kaum Startkapital zu haben hat auch Vorteile, z.B. weniger Risiken und Bürokratie.

Punkt 3:  Kunden zu gewinnen und zu behalten generiert Kapital, den man in die Optimierung seiner Produkte reinvestieren sollte.

 

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